Funktionsstörungen des Lymphsystems sind im Organismus höchstwahrscheinlich viel häufiger die Ursache von Erkrankungen und persistierenden Funktionsstörungen als gemeinhin angenommen. Das Lymphgefäßsystem ist ein eigenständiges perivenöses Drainagesystem und verläuft parallel zum oberflächigen und tiefen Venensystem.

Dem Lymphödem als häufigstem Krankheitsbild der Lymphologie liegt eine Störung des oberflächigen Systems zu Grunde. Der verminderte Lymphtransport von periphere nach zentral führt zu einem Anstieg von eiweißreicher interstitieller Flüssigkeit und ist dann ohne Probleme als Lymphödem zu diagnostizieren.

Demgegenüber ist ein verminderter Lymphtransport im Bereich des tiefen Systems mit der Drainage von parenchymatösen Organen und Strukturen sowie dem interstitiellen Bindegewebe wenig bekannt und mit den derzeitigen apparativen Methoden nicht zu erfassen. Die Forschung ist bislang fokussiert auf die Lymphstrukturen und deren Bedeutung bei der Metastasierung von Malignomen. Unklar ist so die Bedeutung des verminderten Abflusses von höhermolekularen Eiweißen aus Organen wie Lunge, Magen und Pankreas und die Auswirkungen auf Entzündungsprozesse.